Wie wir uns selbst belügen, damit es unser Gehirn bequem hat
Jeder von uns kennt es: In Stresssituationen fühlt sich der Kopf an, als würde ein Feuerwerk abgeschossen. Als würden viele kleine Blitze an die Schädeldecke knallen und unser Gehirn würde drohen zu zerplatzen. Möglichst schnell versuchen wir, wieder einen entspannteren Zustand zu erreichen. Wie machen wir das? Richtig! Wir lenken uns ab.
Heute möchte ich dir etwas über die so genannte „Gehirnkohärenz” erzählen, um dir ein besseres Verständnis für dich selbst zu vermitteln.
Was bedeutet Kohärenz?
Die Aktivitäten unseres Gehirns folgten einem physikalischen Grundprinzip, das man als den zweiten Leitsatz der Thermodynamik bezeichnet. Dieser besagt, dass jedes lebendige System sich so organisiert, dass es möglichst wenig Energie verbraucht. Für das Gehirn bedeutet das, es will so reibungslos und „bequem” und damit so energiesparend wie nur möglich arbeiten.
Das kann es am einfachsten, wenn es anstrengenden Entscheidungen und kräftezehrenden Konflikten möglichst aus dem Weg geht.
Für uns bedeutet das, dass wir Probleme sehr ungern angehen, um sie zu lösen, weil uns diese Probleme Kraft und Energie kosten, sie gehen uns „auf die Nerven”. Stattdessen gehen wir lieber einkaufen, schauen TV oder lenken uns anderweitig ab.
Viel energiesparender, als durch die aufwändige Lösung von Problemen gedankliche „Aufwirbelungen” zu bewältigen, ist es für unser Gehirn, die Gedanken im altgewohnten Gleichmaß fließen zu lassen. Deshalb suchen wir, wenn wir Probleme haben, gerne nach einer Möglichkeit, uns abzulenken, sodass wir zumindest vorübergehend das Gefühl haben, jetzt fließen die Gedanken alle wieder in die gleiche Richtung, nichts legt sich quer. Diese „Gleichförmigkeit” der Gedankenwellen im Gehirn, wenn wir also das Gefühl haben, dass alles reibungslos zueinander passt, bezeichnet man als Kohärenz.
Kurz: In diesem Zustand der Kohärenz ist also nicht so viel „Durcheinander” im Gehirn, und wenn nicht so viel Durcheinander im Gehirn ist, dann wird auch weniger Energie verbraucht. Logo!
Hat unser Gehirn dagegen einen Konflikt zu bewältigen, feuern die Nervenzellen wild durcheinander, was kostbare Energie vergeudet.
Da dieser Kraftaufwand oftmals nicht das gewünschte Ergebnis bringt, scheint die Vermeidung von Gedankenkonflikten durch Ablenkung eine willkommene und weitverbreitete Lösungsstrategie!
Deshalb kann man auch niemandem einen Vorwurf machen, wenn er/sie/es lieber Shoppen geht, anstatt ein Problem zu lösen. Denn das Gehirn arbeitet schließlich mit gewohnter Effizienz, sprich im Energiesparmodus!
Das möchte ich euch an einem kleinen Beispiel aus meinem Coachingalltag noch einmal verdeutlichen.
Eine Kundin von mir hat das Problem, dass sie sich selbst im Weg steht, wenn es um die Themen Geld und Erfolg geht. Obwohl hochbegabt und hochsensibel, schafft sie es nicht, ihre Unternehmen auf die Erfolgsspur zu bringen. Immer, wenn es darauf ankommt, die Zähne zusammenzubeißen und Gas zu geben, geht sie lieber spazieren, oder sie fühlt sich schlapp und müde und geht lieber ins Bett.
Im Coaching versuchte ich, dem auf den Grund zu gehen, und sie führte mir all ihre im Laufe der Jahre perfektionierten Vermeidungsstrategien vor: vom Thema ablenken, ausweichen, Gedankensprünge zu neuen Themen machen, und wenn nichts anderes mehr hilft, folgen auch noch Trotzreaktionen.
Für mich war es insofern sehr herausfordernd, als ich ihren Manövern hochkonzentriert und einfühlsam folgen musste, um sie immer wieder zum eigentlichen Thema zurückzubringen und dort einen Schritt weitergehen zu können. Es dauerte fast zwei Stunden, bis wir soweit waren, dass sie das eigentliche Problem offenlegte und wir es auflösen konnten.
Es war für mich eine extrem wertvolle Erkenntnis, zu sehen, wie hartnäckig und ausdauernd unser Gehirn sein kann, nur um den bequemen Weg gehen zu können. Wie einfallsreich es ist, um nur keine Energie aufbringen zu müssen. In der Tat sehr faszinierend!
Die beste Möglichkeit, die mentale Kohärenz, also das gleichförmige, konfliktfreie und energiesparende Fließen der Gedanken, wiederzufinden, wenn sie einem abhandengekommen ist, besteht darin, dass man sich daran erinnert, was die beiden wichtigsten Dinge im Leben sind. Was man wirklich braucht, damit man glücklich ist.
Stelle dir gerne mal folgende Fragen:
Wann gehst du in eine Vermeidungshaltung?
Was sind deine Techniken, um möglichst wenig Energie zu verschwenden?
Welches Bedürfnis möchte gestillt werden?
Wenn dir meine Blogbeiträge gefallen, erzähle gern anderen davon oder besuche auch mal meine Coaching-Webseite www.sabine-reischl.com. Ich freue mich auf dich!

